Warum Sicherheits- und Gesundheitskoordination (SiGeKo) bei Veranstaltungen in Deutschland unverzichtbar ist

Veranstaltungssicherheit ist das Fundament jeder erfolgreichen Veranstaltung. Dennoch wird Sicherheit bei Events oft nur mit Security-Personal, Besucher*innenschutz und Fluchtwegen assoziiert. Dabei spielt gerade beim Auf- und Abbau von Bühnen und Technik die Arbeitssicherheit für Crew und Mitwirkende eine entscheidende Rolle. Der dramatische Unfall des Star-DJs Paul van Dyk, der bei einem Festival durch ein ungesichertes Bühnenloch mehrere Meter in die Tiefe stürzte, zeigt eindringlich, wie wichtig umfassende Sicherheitsmaßnahmen für alle Beteiligten sind. In diesem Beitrag erfahren Eventplaner, Veranstaltungsagenturen, Firmenkunden und Verantwortliche in der Veranstaltungswirtschaft, warum ein Sicherheits- und Gesundheitskoordinator (SiGeKo) bei Events in Deutschland unverzichtbar ist – und wie er zu reibungslosen, sicheren Veranstaltungen beiträgt.

Was ist ein Sicherheits- und Gesundheitskoordinator (SiGeKo)?

Ein Sicherheits- und Gesundheitskoordinator, kurz SiGeKo, ist eine speziell geschulte Fachperson, die Sicherheit und Gesundheitsschutz auf komplexen Projekten koordiniert. Ursprünglich kennt man diese Rolle von Baustellen – bei Bauprojekten mit vielen Beteiligten schreibt die Baustellenverordnung ab einer bestimmten Größe die Bestellung eines SiGeKo vor. Doch auch Veranstaltungen ähneln oft Baustellen: In kurzer Zeit entstehen Bühnen, Tribünen, Zelte und andere temporäre Strukturen durch verschiedene Firmen – ein hochkomplexes Geflecht aus Gewerken mit Schnittstellenrisiken auf engem Raum. Genau hier kommt der SiGeKo ins Spiel. Er übernimmt die Aufgabe, alle sicherheitsrelevanten Maßnahmen zu planen, zu überwachen und die Zusammenarbeit der verschiedenen Teams zu koordinieren, damit beim Auf- und Abbau (und bei Bedarf auch während der Show) niemand zu Schaden kommt. Dazu erstellt er z. B. Gefährdungsanalysen, abstimmt Schutzmaßnahmen mit allen Beteiligten und achtet vor Ort auf die Einhaltung der Arbeitsschutzregeln.

Warum Sicherheitskoordination nicht nur Pflicht, sondern auch sinnvoll ist

In Deutschland sind Veranstalter rechtlich verpflichtet, für die Sicherheit aller Beteiligten zu sorgen – Verantwortung und Haftung liegen letztlich beim Auftraggeber bzw. Veranstalter. Sobald mehrere Firmen gemeinsam auf einer Veranstaltung arbeiten, muss der Auftraggeber den übergreifenden Arbeitsschutz koordinieren. Vernachlässigt er dies, drohen Unfälle mit schweren Konsequenzen: Sach- und Personenschäden, Haftungsansprüche, Rechtsstreitigkeiten und Reputationsverluste. So führte der Fall Paul van Dyk zu Schadenersatzforderungen in zweistelliger Millionenhöhe gegenüber dem Veranstalter – ein Szenario, das sich mit guter Sicherheitskoordination oft vermeiden ließe.

Doch Sicherheitskoordination ist nicht nur Pflichterfüllung, sondern bringt echte Mehrwerte. Ein erfahrener SiGeKo hilft, Gefahren proaktiv zu erkennen und zu entschärfen, bevor etwas passiert. Veranstaltungen laufen mit professioneller Sicherheitsbegleitung nachweislich reibungsloser ab, ohne Unterbrechungen durch Zwischenfälle. Das wirkt sich auch wirtschaftlich positiv aus: Die Investition in einen SiGeKo ist vergleichsweise gering – gemessen an dem Nutzen einer sicheren, strukturierten Planung und der Vermeidung teurer Unfälle oder Betriebsunterbrechungen. Außerdem steigt das Vertrauen von Behörden und Auftraggebern, wenn erkennbar ein durchdachtes Sicherheitskonzept mit entsprechender Koordination umgesetzt wird. Kurz: Sicherheitskoordination ist gelebte Verantwortung und ein Plus an Professionalität für jedes Event.

SiGeKo bei temporären Aufbauten – Bühnen, Tribünen & Zelte sicher errichten

Ein Sicherheitskoordinator überwacht den Aufbau einer Open-Air-Bühne – temporäre Event-Infrastruktur erfordert akribische Sicherheitsplanung. Er kontrolliert dabei die Einhaltung der Schutzmaßnahmen direkt vor Ort.

Bei Großveranstaltungen werden in kurzer Zeit Bühnen, Tribünen, Zeltstädte und andere fliegende Bauten errichtet. Diese temporären Strukturen bergen erhebliche Risiken, vergleichbar mit einer Baustelle: Arbeiten in großer Höhe, schwere Bauteile, Kranbetrieb, provisorische Strom- und Technikinstallationen – oft unter erheblichem Zeitdruck. Ein SiGeKo stellt sicher, dass jede Phase des Auf- und Abbaus sicher abläuft. So koordiniert er beispielsweise, dass nicht parallel unter einer schwebenden Last gearbeitet wird oder dass bei Windwarnungen rechtzeitig Bühnen und Zelte gesichert werden. Durch Gefährdungsbeurteilungen im Vorfeld und regelmäßige Sicherheitsbegehungen sorgt der Koordinator dafür, dass Bühnen, Tribünen und Co. standsicher und vorschriftsgemäß errichtet werden. Das schützt die Aufbau-Crew ebenso wie das spätere Publikum vor vermeidbaren Gefahren.

Zusammenspiel mit Veranstaltungsleitung und Veranstaltungstechnik

In der Veranstaltungsbranche gibt es bereits definierte Rollen für die Sicherheit: Der Veranstaltungsleiter (oft gemäß § 38 MVStättVO vorgeschrieben) trägt die Gesamtverantwortung für einen sicheren Ablauf, die Einhaltung der Vorschriften und die Abstimmung mit Behörden. Ein Verantwortlicher für Veranstaltungstechnik (häufig ein Meister für Veranstaltungstechnik) gewährleistet derweil die technische Sicherheit von Bühnen, Rigging, Licht und Ton – er überwacht Auf- und Umbauten und stellt die Funktionssicherheit aller technischen Einrichtungen sicher. Wo fügt sich der SiGeKo ein? Er ergänzt dieses Team, indem er sich speziell um den Arbeitsschutz der Beschäftigten kümmert – vor allem während des Auf- und Abbaus, aber auch im Hintergrund während der Show. Ideal ist, wenn alle drei Parteien eng zusammenarbeiten: Der SiGeKo plant z. B. gemeinsam mit dem technischen Leiter die sichere Reihenfolge der Aufbauschritte und stimmt sich mit der Veranstaltungsleitung ab, damit Schutzmaßnahmen (etwa Absperrungen oder kurzfristige Unterbrechungen bei Gefahr) reibungslos in den Ablauf integriert werden. So entsteht ein ganzheitliches Sicherheitsnetz, das sowohl den Schutz des Publikums (Crowd Safety bzw. Veranstaltungsschutz) als auch den Arbeitsschutz der Crew umfasst.

Rechtliche Grundlagen: BaustellV, DGUV & Co. im Event-Kontext

Zahlreiche Vorschriften unterstreichen, dass Sicherheitsplanung auch bei Events Pflicht ist. Die Baustellenverordnung (BaustellV) schreibt z. B. vor, dass für Baustellen mit mehreren Arbeitgebern ein geeigneter Koordinator (SiGeKo) bestellt werden muss. Dieser erstellt einen Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan, organisiert die Zusammenarbeit aller Gewerke und überwacht die Umsetzung der Schutzmaßnahmen. Im Eventbereich greift die BaustellV formal nicht immer, doch das allgemeine Arbeitsschutzgesetz verlangt trotzdem eine Abstimmung der Arbeitsschutzmaßnahmen, sobald Beschäftigte mehrerer Firmen an einem Ort zusammen arbeiten. Diese Koordinationspflicht kann der Veranstalter durch einen SiGeKo effektiv erfüllen.

Hinzu kommen branchenspezifische Regeln: DGUV-Vorschriften (Unfallverhütungsvorschriften der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung) – allen voran DGUV Vorschrift 17 „Veranstaltungs- und Produktionsstätten für szenische Darstellung“ – definieren Anforderungen an sichere Auf- und Abbauten, Qualifikation des Personals und Aufsichtspflichten. Sie sehen bereits eine koordinierende Funktion vor, auch wenn sie keinen expliziten SiGeKo vorschreiben. Außerdem verpflichten die Versammlungsstättenverordnungen (VStättVO) der Bundesländer Veranstalter ab bestimmten Größen, einen Veranstaltungsleiter zu benennen und ein Sicherheitskonzept aufzustellen. Darin sollte der Aspekt Arbeitsschutz/SiGeKo von Anfang an integriert sein. Die rechtlichen Rahmenbedingungen machen deutlich, dass Arbeitssicherheit und Sicherheitskoordination integrale Bestandteile professioneller Events in Deutschland sind – und zwar nicht nur auf dem Papier, sondern in der praktischen Umsetzung.

Typische Risiken bei Veranstaltungen – und wie der SiGeKo sie minimiert

Jede Veranstaltung birgt eine Reihe von Risiken, besonders während Aufbau, Durchführung und Abbau. Hier einige typische Gefahrenquellen – und wie eine SiGeKo-Unterstützung hilft, sie zu beherrschen:

  • Absturzgefahr bei Arbeiten in Höhe: Beim Bühnenbau, Rigging oder Lichtaufhängen arbeiten viele in großer Höhe. Abstürze können tödlich enden. Der SiGeKo schreibt geeignete PSA (z. B. Sicherheitsgeschirr) vor und achtet auf dessen Nutzung. Auch ein Höhenrettungskonzept für den Notfall wird erstellt, um im Ernstfall verunglückte Mitarbeiter schnell retten zu können.
  • Gefahr durch herabfallende Gegenstände: Über Kopf werden Scheinwerfer, Lautsprecher und Traversensysteme montiert. Ungesicherte Teile oder Werkzeuge können herunterfallen. Ein SiGeKo sorgt dafür, dass nur geschultes Personal diese Arbeiten ausführt und alle Lasten korrekt gesichert sind. Außerdem richtet er Schutzbereiche am Boden ein und fordert etwa das Tragen von Schutzhelmen, um Verletzungen durch herabfallende Objekte zu verhindern.
  • Einsatz von schweren Geräten und Fahrzeugen: Gabelstapler, Hebebühnen, Kräne und Lkw bewegen sich auf dem Eventgelände. Unkoordinierter Einsatz birgt Kollisions- und Quetschgefahr. Der SiGeKo plant die Verkehrswege und Zeitfenster für solche Fahrten, richtet Sperrzonen ein und stellt sicher, dass nur zertifizierte Bediener (mit Staplerschein, Hebebühnen-Schulung etc.) die Maschinen steuern. So werden Unfälle mit schweren Geräten vermieden.
  • Elektrische Gefahren: Temporäre Stromversorgungen, Verkabelungen und viele elektronische Geräte gehören zu jedem Event. Fehler hierbei können zu Stromunfällen oder Bränden führen. Ein SiGeKo achtet darauf, dass nur qualifizierte Elektrofachkräfte die elektrischen Anlagen errichten und prüfen. Beispielsweise muss jede elektrische Anlage vor Inbetriebnahme abgenommen und alle Kabel und Geräte regelmäßig auf Sicherheit geprüft werden. Durch solche Kontrollen werden Kurzschlüsse, Überlastungen oder elektrische Unfälle nahezu ausgeschlossen.
  • Wetterextreme und Umwelteinflüsse: Open-Air-Veranstaltungen sind wind und Wetter ausgesetzt. Sturm, Starkregen oder Hitze können akute Gefahren auslösen – von umstürzenden Gerüsten bis hin zu Hitzeerschöpfungen. Ein SiGeKo beobachtet Wetterprognosen und definiert klare Maßnahmen: Etwa das rechtzeitige Absenken von Bühnenaufbauten bei Sturmwarnung oder die Räumung gefährdeter Bereiche. Tragische Unglücke wie eingestürzte Bühnen bei plötzlichen Unwettern (beispielsweise 2011 beim Pukkelpop-Festival in Belgien und der Indiana State Fair in den USA) mit zahlreichen Toten und Verletzten zeigen, wie wichtig solches vorausschauendes Handeln ist. Durch gute Vorbereitung – von Sturmkonzepten bis zu Hitzeschutzplänen – stellt der SiGeKo sicher, dass das Event auch unter schwierigen Bedingungen entweder sicher fortgeführt oder rechtzeitig pausiert/evakuiert wird.
  • Brand- und Explosionsgefahren: Bühnenproduktionen arbeiten mit Scheinwerfern, Pyrotechnik und allerlei elektrischem Equipment. Offenes Feuer oder technische Defekte können zu Bränden führen. Ein Sicherheitskoordinator überprüft die Einhaltung von Brandschutzauflagen, sorgt für Feuerlöscher in Reichweite und stellt sicher, dass z.B. Pyrotechnik nur von Befähigungsschein-Inhabern gezündet wird. So werden Brandrisiken minimiert und im Ernstfall ist schnell reagiert.

Fazit:

Sicherheitskoordination zahlt sich aus – Risiken werden erkannt, Unfälle verhindert. Ein professioneller SiGeKo nimmt Eventplanern viel Sorge ab und gibt allen Beteiligten Sicherheit, dass im Hintergrund jemand mit Auge fürs Detail aufpasst.

In der heutigen Veranstaltungsbranche gilt: Sicherheit ist Qualität. Ein professioneller SiGeKo ist längst mehr als ein nice-to-have – er ist ein Gütesiegel für verantwortungsbewusste Eventorganisation. Indem er Risiken minimiert und die Einhaltung aller Auflagen koordiniert, ermöglicht er Veranstaltungen, die nicht nur spektakulär, sondern vor allem sicher ablaufen. Gerade in Deutschland, wo Events strengen Vorgaben unterliegen, unterstreicht der Einsatz einer Sicherheits- und Gesundheitskoordination die Professionalität des Veranstalters.

Unser Tipp: Integrieren Sie einen SiGeKo frühzeitig in die Planung Ihres nächsten Events! Die Investition in Veranstaltungssicherheit und Veranstaltungsschutz zahlt sich aus – für den Schutz Ihrer Besucher und Ihres Teams ebenso wie für den Erfolg Ihrer Veranstaltung. Machen Sie Sicherheit zum Markenzeichen Ihrer Events. Handeln Sie jetzt und heben Sie Ihr Event in Deutschland auf das nächste Sicherheits-Level!

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